Nickerchen: Wann, wie lange und ob es sich lohnt
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Ein kurzes Nickerchen am Nachmittag – für die einen ist es ein Luxus, für die anderen Alltag. Doch wie sinnvoll ist das Schläfchen zwischendurch wirklich? Die Wissenschaft hat dazu klare Antworten: Ein gut getimtes Nickerchen kann deine Leistungsfähigkeit, Stimmung und Gesundheit verbessern. Aber Timing und Dauer sind entscheidend, denn falsch gemacht, kann ein Nickerchen mehr schaden als nützen.
Die Wissenschaft hinter dem Nickerchen
Unser Körper ist biologisch auf einen zweiphasigen Schlafrhythmus ausgelegt. Das bedeutet, dass wir nicht nur nachts schlafen wollen, sondern auch am frühen Nachmittag ein natürliches Tief erleben. Dieses sogenannte „postprandiale Tief" tritt typischerweise zwischen 13 und 15 Uhr auf – unabhängig davon, ob du Mittag gegessen hast oder nicht.
In diesem Zeitfenster sinkt deine Körpertemperatur leicht ab, die Melatoninproduktion steigt kurzzeitig an und deine Aufmerksamkeit nimmt ab. Es ist kein Zufall, dass viele Kulturen – von der spanischen Siesta bis zur japanischen Inemuri-Tradition – das Nickerchen als festen Bestandteil des Tages integriert haben.
Studien der NASA haben gezeigt, dass ein 26-minütiges Nickerchen die Leistungsfähigkeit von Piloten um 34 Prozent und ihre Aufmerksamkeit um 54 Prozent steigerte. Auch im zivilen Alltag bestätigt die Forschung: Ein kurzer Schlaf am Nachmittag verbessert das Gedächtnis, die Reaktionszeit, die Kreativität und die emotionale Regulation.
Die verschiedenen Nickerchen-Typen und ihre Wirkung
Nicht jedes Nickerchen ist gleich. Die Dauer bestimmt, welche Schlafphasen du durchläufst und welchen Effekt du erzielst:
Der Mikro-Nap (5-10 Minuten): Schon fünf Minuten Schlaf können die Wachheit kurzzeitig steigern. Diese ultrakurzen Nickerchen bieten einen schnellen Energieschub, ohne Risiko einer Schlafträgheit danach.
Der Power-Nap (15-20 Minuten): Das ist der Sweet Spot. In 15 bis 20 Minuten durchläufst du die Schlafphasen 1 und 2 – leichter Schlaf, der dein Gehirn erfrischt, ohne dass du in den Tiefschlaf fällst. Du wachst relativ leicht auf und fühlst dich danach wacher und konzentrierter.
Das mittlere Nickerchen (30-60 Minuten): Hier wird es kritisch. Bei 30 bis 60 Minuten betrittst du den Tiefschlaf (Slow-Wave Sleep). Wirst du mitten im Tiefschlaf geweckt, erlebst du Schlafträgheit – das benommene, desorientierte Gefühl, das schlimmer sein kann als die ursprüngliche Müdigkeit. Wenn du 30 Minuten schläfst, plane zusätzliche 15 bis 30 Minuten zum Aufwachen ein.
Der volle Schlafzyklus (90 Minuten): Ein 90-Minuten-Nickerchen umfasst einen kompletten Schlafzyklus inklusive Tiefschlaf und REM-Phase. Du wachst am Ende des Zyklus relativ leicht auf und profitierst von verbesserter Kreativität, emotionaler Verarbeitung und Gedächtniskonsolidierung. Der Nachteil: Es kostet viel Zeit und kann den Nachtschlaf beeinträchtigen.
Wann du ein Nickerchen machen solltest – und wann nicht
Der ideale Zeitpunkt liegt zwischen 13 und 15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt befindest du dich im natürlichen Nachmittagstief und hast noch genügend Abstand zum Nachtschlaf. Ein Nickerchen nach 15 Uhr kann deinen zirkadianen Rhythmus stören und das Einschlafen am Abend erschweren.
Ein Nickerchen lohnt sich besonders, wenn:
- Du letzte Nacht schlecht oder zu wenig geschlafen hast
- Du vor einer kognitiv anspruchsvollen Aufgabe stehst
- Du eine lange Autofahrt vor dir hast (dann aber vor der Fahrt, nicht während)
- Du dich emotional erschöpft fühlst
Ein Nickerchen ist weniger sinnvoll, wenn:
- Du unter Einschlafproblemen oder Insomnie leidest – dann kann es den Schlafdruck am Abend reduzieren
- Es nach 16 Uhr ist
- Du regelmäßig nachts gut schläfst und tagsüber keine Müdigkeit verspürst
- Du das Nickerchen als Ersatz für chronischen Schlafmangel verwendest
So machst du das perfekte Power-Nap
Ein paar einfache Tricks können den Unterschied zwischen einem erfrischenden Nickerchen und einem enttäuschenden Versuch ausmachen:
Stelle einen Wecker: Ohne Wecker riskierst du, zu lange zu schlafen und in den Tiefschlaf zu fallen. Stelle den Wecker auf 20 Minuten – die zusätzlichen Minuten berücksichtigen die Zeit, die du zum Einschlafen brauchst.
Schaffe die richtigen Bedingungen: Dunkelheit und Stille sind ideal. Eine Schlafmaske und Ohrstöpsel sind kleine Investitionen mit großer Wirkung. Wenn du im Büro bist, können Noise-Cancelling-Kopfhörer helfen.
Trinke vorher einen Kaffee: Das klingt paradox, macht aber Sinn. Koffein braucht etwa 20 Minuten, um zu wirken. Wenn du einen Espresso trinkst und dich dann hinlegst, wachst du genau dann auf, wenn das Koffein einsetzt. Dieses Konzept heißt „Coffee Nap" und Studien zeigen, dass es wirksamer ist als Koffein oder Nickerchen allein.
Lege dich bequem hin: Im Sitzen einzuschlafen ist möglich, aber nicht optimal. Eine leicht zurückgelehnte Position oder ein Liegen ermöglichen tiefere Entspannung.
Erwarte nicht sofort Perfektion: Wenn du kein geübter Napper bist, brauchst du möglicherweise einige Versuche, bis du schnell einschlafen kannst. Selbst wenn du nicht einschläfst, kann das ruhige Liegen mit geschlossenen Augen bereits erholsam sein.
Nickerchen in verschiedenen Kulturen und am Arbeitsplatz
In vielen Ländern ist das Nickerchen nicht nur akzeptiert, sondern kulturell verankert. In Japan wird Inemuri – das Einnicken am Arbeitsplatz – als Zeichen von Fleiß gesehen. In Spanien ist die Siesta trotz Modernisierung noch immer verbreitet. Und in immer mehr Tech-Unternehmen weltweit gibt es Ruheräume für Mitarbeiter.
Auch in Deutschland ändert sich die Einstellung langsam. Einige Unternehmen haben erkannt, dass ein ausgeruhter Mitarbeiter produktiver ist als ein müder. Wenn dein Arbeitgeber keinen Ruheraum bietet, kannst du die Mittagspause nutzen – 20 Minuten im Auto oder auf einer Bank im Park reichen für einen erfrischenden Power-Nap.
Dein Schlaf ganzheitlich verstehen
Ein Nickerchen ist immer nur eine Ergänzung – kein Ersatz – für guten Nachtschlaf. Wenn du regelmäßig das Bedürfnis nach einem Nickerchen verspürst, lohnt es sich, deinen Nachtschlaf genauer unter die Lupe zu nehmen. Schläfst du lang genug? Ist dein Schlaf erholsam? Wachst du häufig auf?
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